kuratiert von Nora Turato
pool8
31.05. — 11.10.2026
Die Bechtler Stiftung präsentiert mit pool8 eine neue raumspezifische Arbeit von Nora Turato. Das Werk wurde für den Ausstellungsraum konzipiert und vor Ort vollendet. Es markiert den Beginn des achten Zyklus von Turatos fortlaufender pool-Serie und führt ihre Auseinandersetzung mit Sprache in eine neue räumliche und körperliche Dimension.
Nora Turato zählt zu den markantesten künstlerischen Stimmen ihrer Generation. Sprache bildet den Ausgangspunkt und zentralen Bezugspunkt ihrer Praxis, die textbasierte Installationen, Drucke, Bücher und Performances umfasst. Seit 2017 entwickelt sie ihre fortlaufende pool-Serie — periodische Zyklen, in denen sie die Sprache der Gegenwartskultur sammelt, filtert und neu konfiguriert. Ausgehend von Material aus Medien, Werbung, sozialen Plattformen, Gesprächen, Schlagzeilen und Alltagssprache überführt Turato den konstanten Sprachstrom, der uns umgibt, in Arbeiten, die kulturelle und gesellschaftliche Verschiebungen der Gegenwart reflektieren.
In den früheren pools ist Sprache nicht einfach Inhalt, sondern Material: etwas, das wiederholt, inszeniert, gestaltet, performt, verzerrt und bisweilen entleert werden kann. Mit pool8 führt Turato diese Untersuchung in eine neue räumliche und körperliche Dimension. Die Arbeit beginnt den achten Zyklus der pool-Serie, ist jedoch nicht einfach eine Fortsetzung der vorangegangenen pools. Sie markiert eine wesentliche Verschiebung innerhalb ihrer Praxis: Sprache wird reduziert, räumlich gefasst und über Klang, Dunkelheit und körperliche Wahrnehmung erfahrbar.
pool8 wurde für den Ausstellungsraum konzipiert und vor Ort vollendet. Die Aufnahmen entstanden im Raum, und der Klang reagiert auf dessen Akustik. Der Prozess war geprägt von Unsicherheit, Responsivität und einer Offenheit gegenüber unvorhersehbaren Ergebnissen. In diesem Sinne sind die Bedingungen, unter denen die Arbeit entstanden ist, eng mit den Bedingungen verbunden, durch die Besucher*innen ihr begegnen.
Innerhalb der Bechtler Stiftung bildet pool8 auch einen klaren Kontrapunkt zu Walter De Marias The 2000 Sculpture: einer Arbeit des Lichts, der Serialität und visuellen Ordnung. Turatos Arbeit entfaltet sich unter grundlegend anderen Bedingungen — durch Dunkelheit, Stimme, Klang und körperliche Orientierung. Beide Werke arbeiten mit Wiederholung, Raum und Dauer, jedoch von unterschiedlichen Polen der Erfahrung aus.
pool8 entzieht sich einer rein beschreibenden Annäherung. Die Arbeit erschliesst sich als räumliche und körperliche Erfahrung, die Aufmerksamkeit, Präsenz und Offenheit verlangt. Jede Begegnung mit der Arbeit kann sich anders entfalten: Die Stimme, die Dunkelheit, die Bewegung durch den Raum und die Rückkehr aus ihm können sich mit jeder Erfahrung verschieben.
Nora Turato (*1991, Zagreb) lebt und arbeitet in Amsterdam. Ihr Werk umfasst textbasierte Installationen, Druckgrafiken, Bücher und Performances und stellt Sprache ins Zentrum ihrer Praxis. Auf der Grundlage gesammelter Sprache ebenso wie eigener Texte entwickelt sie Arbeiten, die sich mit gegenwärtigen Formen von Kommunikation, Verbreitung und Ausdruck auseinandersetzen. Zu ihren jüngsten Einzelausstellungen zählen das ICA, London (2025), das Stedelijk Museum, Amsterdam (2024), die Kunsthalle Wien (2024), Sprüth Magers, Los Angeles (2024), sowie das Museum of Modern Art (MoMA), New York (2022). Zu den ausgewählten Gruppenausstellungen zählen SITE Santa Fe (2025), MUDAM, Luxemburg (2024), Kunsthal Charlottenborg, Kopenhagen (2022), Astrup Fearnley Museet, Oslo (2022), und Kunsthalle Basel (2021).
Bilder
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Ausstellungsansichten, pool8, Nora Turato, 2026, Bechtler Stiftung
Bilder: Flavio Karrer